Anmerkung zu:BFH 6. Senat, Urteil vom 16.01.2019 - VI R 24/16
Autor:Dr. Stephan Geserich, RiBFH
Erscheinungsdatum:17.06.2019
Quelle:juris Logo
Normen:§ 9 EStG, § 12 EStG
Fundstelle:jurisPR-SteuerR 24/2019 Anm. 1
Herausgeber:Prof. Dr. Peter Fischer, Vors. RiBFH a.D.
Prof. Dr. Franz Dötsch, Vors. RiBFH a.D.
Zitiervorschlag:Geserich, jurisPR-SteuerR 24/2019 Anm. 1 Zitiervorschlag

Sky-Bundesliga-Abo als Werbungskosten



Leitsatz

Die Aufwendungen eines Fußballtrainers für ein Sky-Bundesliga-Abo können Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit sein, wenn tatsächlich eine berufliche Verwendung vorliegt.



A.
Problemstellung
Die Beteiligten streiten über die Berücksichtigung von Aufwendungen für ein Abonnement des Pay-TV-Senders „Sky“ als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit.


B.
Inhalt und Gegenstand der Entscheidung
Der Kläger bezieht als hauptamtlicher Torwarttrainer eines Lizenzfußballvereins Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit. Er schloss beim Pay-TV-Sender „Sky“ ein Abonnement ab, das sich aus den Paketen „Fußball Bundesliga“, „Sport“ und „Sky Welt“ zusammensetzte. Den Aufwand für das Paket „Bundesliga“ machte er in seiner Einkommensteuererklärung für das Streitjahr 2012 als Werbungskosten geltend. Er schaue die Bundesligaspiele ganz überwiegend nur zur Gewinnung von Kenntnissen im Zusammenhang mit seiner Trainertätigkeit. Finanzamt und Finanzgericht lehnten den Werbungskostenabzug ab. Ein Sky-Bundesliga-Abonnement sei immer privat und nicht beruflich veranlasst, da der Inhalt des Pakets nicht vergleichbar einer Fachzeitschrift auf ein Fachpublikum zugeschnitten sei (FG Düsseldorf, Urt. v. 14.09.2015 - 15 K 1712/15 E - EFG 2016, 1416).
Auf die Revision des Klägers hat der BFH die Vorentscheidung aufgehoben und die Sache an das Finanzgericht zurückverwiesen. Bei einem (Torwart-)Trainer eines Lizenzfußballvereins sei eine weitaus überwiegende berufliche Nutzung des Pakets „Bundesliga“ jedenfalls nicht ausgeschlossen. Da das Finanzgericht dies, ohne weitere Feststellungen zu treffen, anders gesehen hatte, müsse es diese nachholen. Zur Feststellung der tatsächlichen Verwendung des Sky-Bundesliga-Abonnements durch den Kläger komme z.B. die Vernehmung von Trainerkollegen und Spielern in Betracht.


C.
Kontext der Entscheidung
I. Nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG sind Werbungskosten auch Aufwendungen für Arbeitsmittel. Hierunter fallen alle materiellen und immateriellen Wirtschaftsgüter, die unmittelbar der Erledigung beruflicher Aufgaben dienen. Andererseits dürfen Aufwendungen für die Lebensführung, die die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Steuerpflichtigen mit sich bringt, nach § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG nicht als Werbungskosten abgezogen werden, auch wenn sie zur Förderung des Berufs oder der Tätigkeit des Steuerpflichtigen getätigt werden (BFH, Beschl. v. 07.04.2005 - VI B 168/04 - BFH/NV 2005, 1300).
II. Bei Gegenständen, die auch im Rahmen der allgemeinen Lebensführung genutzt werden können, ist für die Einordnung als Arbeitsmittel der tatsächliche Verwendungszweck im Einzelfall maßgeblich. Die Güter müssen ausschließlich oder zumindest weitaus überwiegend beruflich genutzt werden. Eine geringfügige private Mitbenutzung ist unschädlich. Ob diese Voraussetzungen vorliegen, ist unter Würdigung aller Umstände nach der Funktion des Wirtschaftsguts im Einzelfall festzustellen (BFH, Beschl. v. 30.06.2010 - VI R 45/09 - BStBl II 2011, 45 m.w.N.; Anm. Bergkemper, jurisPR-SteuerR 50/2010 Anm. 1). Dabei ist eine berufstypische Betrachtung anzustellen und nicht auf den allgemeinbildenden oder -nützlichen Charakter des Wirtschaftsguts abzustellen. Dies macht der Besprechungsfall nochmals deutlich. Denn das Sky-Bundesliga-Abonnement ist – vorausgesetzt, das Vorbringen des Klägers ist zutreffend – in seinem gesamten Angebot den beruflichen Interessen des Klägers zu dienen geeignet. Denn es umfasst nicht den Bereich Sport allgemein, sondern nur Bundesligaspiele. Zwar ist der Inhalt des Pakets – wie auch das Finanzgericht zu Recht ausführt – nicht nach Art einer Fachzeitschrift auf ein Fachpublikum zugeschnitten. Dies steht der Annahme einer nahezu ausschließlichen beruflichen Verwendung aber insbesondere auch deshalb nicht entgegen, weil ein auf das Berufsbild des Klägers zugeschnittenes Angebot nicht auf dem Markt erhältlich sein dürfte.


D.
Auswirkungen für die Praxis
Allein aus dem allgemeinen Charakter des Abonnements kann daher nicht auf seinen konkreten Verwendungszweck im Streitfall geschlossen werden.
Entsprechendes gilt für die Nutzung anderer Arbeitsmittel. Zum Beispiel sind Aufwendungen eines Diensthundeführers für den ihm anvertrauten Diensthund keine nicht abziehbaren Aufwendungen der privaten Lebensführung, sondern in vollem Umfang Werbungskosten (BFH, Beschl. v. 30.06.2010 - VI R 45/09 - BStBl II 2011, 45 m.w.N.; Anm. Bergkemper, jurisPR-SteuerR 50/2010 Anm. 1). Kosten für einen „Schulhund“, der zwar auch der Erledigung dienstlicher Aufgaben dient, aber nicht nahezu ausschließlich beruflich genutzt wird, werden hingegen lediglich teilweise als Werbungskosten berücksichtigt (FG Düsseldorf, Urt. v. 14.09.2018 - 1 K 2144/17 E - EFG 2019, 341; Rev. VI R 52/18; a.A. FG Neustadt, Urt. v. 12.03.2018 - 5 K 2345/15 - EFG 2018, 726: kein Werbungskostenabzug, da eine Aufteilung nach objektiven Kriterien nicht möglich; s. hierzu BFH, Beschl. v. 21.09.2009 - GrS 1/06 - BStBl II 2010, 672; Anm. Dötsch, jurisPR-SteuerR 10/2010 Anm. 1; BFH, Beschl. v. 24.09.2013 - VI R 35/11 - BFH/NV 2014, 500; BFH, Urt. v. 08.07.2015 - VI R 46/14 - BStBl II 2015, 1013; Anm. Dürr, jurisPR-SteuerR 1/2016 Anm. 3).



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